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Im Geburtsjahr Wagners 1813 schreibt Jean Paul: Denn bisher warf immer der Sonnengott die Dichtgabe mit der Rechten und die Tongabe mit der Linken zwei so weit auseinanderstehenden Menschen zu, daß wir noch bis diesen Augenblick auf den Mann harren, der eine echte Oper zugleich dichtet und setzt. An Richard kommt man in Bayreuth nicht vorbei, doch

 

muss es nicht immer Wagner sein.

 

 Das meinte auch unsere charmante Gastgeberin, die uns aber vor dem fränkischen Abend noch schnell an Sein Grab führte.

Links liegt der Meister und oben sein Hund

Christa hatte die traurige Pflicht, die Namen der Abwesenden zu verlesen. Bald jedoch stieg die Stimmung durch das üppige fränkische Buffet und die heiteren Reden über die Kunst der Buddelschiffherstellung.  Liebe Christa, lieber Hans, für eine gute Fahrt wünschen wir Euch immer 'nen gooden Wind und mindestens eine Handbreit Wasser unterm Kiel.

 

Markgräfin Friederike Sophie Wilhelmine

 

 

Am folgenden Morgen gab uns Christa ein temperamentvolles Seminar über die Verdienste der Markgräfin Friederike Sophie Wilhelmine um Bayreuth als Residenz.

 

Die Tochter des preußischen Soldaten-königs litt unter einer ähnlich harten Erziehung wie ihr kleinerer Bruder Friedrich. Den nannte man später nicht umsonst den Großen, schlug er doch schon als Kind die Kriegstrommel.

 

Es war ein Glücksfall für Bayreuth, dass Wilhelmines Verlöbnis mit dem Prince of Wales in die Brüche ging und sie dem Markgrafen Friedrich von Brandenburg-Bayreuth angetraut wurde. In den 27 Jahren, die ihr als Markgräfin blieben, machte sie aus der kleinen Stadt eine fürstliche Residenz. So entstanden die Meisterwerke des Bayreuther Rokoko.

 

 

Wir gehen in die Markgräfliche Oper

Die Kinder Wilhelmine und
Friedrich mit der Trommel

Vor Wagners Villa Wahnfried steht die Büste König Ludwigs. Es ging nicht immer harmonisch zwischen dem Mäzen und dem Genie zu. Auch wenn der Meister dem Kini vorspielte, kam es vor, dass Ludwig sich leicht abwandte. Schließlich verbannte der König seinen wortbrüchigen Komponisten aus München in die bayrische Provinz und ließ ihn dort eine geeignete Schaubühne für seine Mammutproduktionen suchen.

Wagner jedoch war das herrliche Residenztheater zu popelig und so ließ er sich auf einem Hügel ein Festspielhaus errichten mit dem Charme einer Brauerei. Das Haus soll deshalb im letzten Krieg nicht bombardiert worden sein.
(Beide Aufnahmen und obiges Photo ©G.K.)

Womit wir wieder beim Bier sind, ein Getränk, welches der Dichter Jean Paul alias Johann Paul Friedrich Richter über alles liebte. Gegenüber denen, die ihn der Trunkenheit ziehen, verteidigte er seinen enormen Bierkonsum: Was Trunkenheit ist - die nämlich den Geist lähmt, anstatt beflügelt - ... kenn' ich nicht.

 

 Jean Paul (1763-1825)

 

In seinen jungen Jahren kommt Jean Paul viel herum und schreibt an seinen Bayreuther Freund Emanuel, der ihn auch an entfernten Orten mit dem Stoff aus Bayreuth versorgt: Ich wäre bei Gott täglich in Ohmacht gefallen ... wäre nicht Ihr Bier gewesen, meine Lethe, mein Paktolusfluß, mein Nil, meine vorletzte Ölung, mein Weihwasser ...

 

Nachdem sich der 27-jährige Jean Paul im Jahre 1800 mit Karoline Mayer verlobt hatte, sucht der inzwischen erfolgreiche Autor nach einer Bleibe. Bei Johann Wilhelm Ludwig Gleim in Halberstadt fragt er an, ob das Minimum, das er suche, Berge, Bücher und bitteres, braunes Bier dort zu haben sei. Seinen Bayreuther Freunden teilt er mit: Das Schicksal giebt mir endlich das, um was ich solange herumirrte [eine Frau]. Jetzt fehlet mir nichts wie eine Stadt, wozu ich Sie mir die wohlfeilste, gebildeste und beste in der Gegend und im Bier, vorzuschlagen bitte.

 

Wenn auch für Jean Paul - er war mehrfach und für längere Zeit im klassischen Weimar gewesen - Bayreuth eine literarische Wüste ist, so zieht es ihn endlich 1804 dahin, wo das Bier am besten ist, denn bin ich nur einmal in Bayreuth, so soll ein ganz anderes Mäßigkeits-System anfangen. Himmel, wie werd' ich trinken, und doch mäßig.

 

Im Jahre 1809 als Österreich auch im fünften Anlauf gegen Napoleon Prügel bezogen hatte, spürt Jean Paul nun endlich den Frieden in Europa heraufziehen besonders, als er das neu eröffnete Traiteur-Haus der Frau Rollwenzelin am Weg zur Eremitage entdeckt: Nach meinen Beinen zu urtheilen - denn ich aß gestern mit Weib und Kind bei der Rollwänzel, d. h. vortrefflich - steht der Friede auf guten Füßen, um so mehr, da ich gestern noch 2 Meilen hätte zu gehen Kraft gehabt. Bei der Rollwenzelin weilt der Dichter von nun an häufiger, bereichert beim Bier die deutsche Literatur und ruiniert nebenbei seine Leber. Auch plagt ihn die Gicht und so klagt er 1820: Leider werd' ich, für das Irdische immer unempfänglicher der Freuden - die der Natur ausgenommen - und immer theilnehmender an dessen Plagen.

 

Die Rollwenzelei

 

Die Sorge um seinen von Schizophrenie gezeichneten und in München studierenden Sohn treibt Jean Paul gen Süden. Den ihm angebotenen Sitz in der bairischen Akademie der Wissenschaften - er muss dort nur einmal im Jahr vortragen - nimmt er endlich an, wenn auch die herzleere Gegend, das nachteilige Klima und die Kälte und Gemüthlosigkeit der Altbaiern, über die alle nach München verzogenen Bayreuther klagen, dagegen sprechen. Zudem erleidet er in der Landeshauptstadt einen Verkehrsunfall als auf dem Weg nach Nymphenburg Pauls Wagen bei einem Zusammenstoß umstürzt, was zu heftigem Brustschmerz, wahrscheinlich Rippenbruch führt.

 

Zurück in Bayreuth schickt ihm sein inzwischen dort lebender Bruder Gottlieb ein besonders wohlschmeckendes Bier. Da dankt ihm Jean Paul und fabuliert in seiner gewohnten Art, die Bayerische Akademie noch im Hinterkopf: Vorgestern setzte die Akademie der Wissenschaften in München einen Preis von zwei Dukaten auf die beste Auflösung der Preisfrage: was in Baireuth jetzt das beste Gericht sei und was das beste Getränk? Gestern antwortete ich als Mitglied der Akademie: das beste hiesige Gericht sei ein Schinken von meiner Frau Schwägerin, und das beste Getränk sei das Bier, das mir eben mein Bruder ... geschickt. - Heute mit umlaufender Post hoff' ich die beiden Dukaten zu bekommen, wovon Du drei erhalten sollst. Ernstlich, lieber Bruder, mache nur, daß ich von Deinem herrlichen Bier recht bald, recht oft und recht lange bekomme.

 

Auf eine Mieterhöhung seiner Wohnung in der Friedrichstraße antwortet Jean Paul im Jahre 1822 seinem Hauswirt schriftlich in seiner ihm typischen humorvollen Weise, die von seinen wenigen Kritikern als chaotische Schriften und kauderwelsches Geschreibsel bezeichnet wird, das in wenigen Jahrzehnten vergessen sein wird: Bestehen Sie freilich auf dem Sprunge zu 180 fl.: so muß ich Ihnen freilich mit meinen alten Beinen gleichthun, da ich der Ruhe wegen nicht anders aus Ihrem Hause mag als in einem bequemen Wagen ohne alles Gepäck, welche die Leute den Leichenwagen nennen.

 

Das geschieht im Jahre 1825 als Jean Paul total erblindet in seiner Wohnung stirbt.

 

Jean-Paul-Denkmal

 

Die Zitate entnahm ich dem Buch: Jean Paul und Bayreuth von Philipp Hausser, welches ich im Jean-Paul-Museum in der Wahnfriedstraße erstand. Dort fotografierte ich den Entwurf Schwanthalers zu einem Denkmal für Jean Paul. Es soll auf dem Bayreuther Friedhof stehen. Das konnte ich nicht verifizieren, denn ich zog einen Besuch des Deutschen Freimaurermuseums im Hofgarten vor.

 

Die Eremitage

 

Das große Warten auf die Wasserspiele

Ah!

Der Eingang zur Grotte

Noch einmal, ein Ah!

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This page was last updated on 07 Mai, 2017