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Energiewende USA - Deutschland, ein Vergleich

 

Vortrag am 4. Februar 2015 beim Stammtisch der Freiburg-Madison Gesellschaft

 

 

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Zum Anfang eine kleine Anekdote, die zeigt, wie wenig die USA über die deutsche Energiewende wissen: Shibani Joshi beim Fox Business Network als Expertin für Energiefragen geführt, sagte in New York vor laufender Kamera über Deutschland: „They’re a smaller country, and they’ve got lots of sun. Right? They’ve got a lot more sun than we do,“ und fuhr dann fort: „In California, it’s a great solution, but here on the East Coast, it’s just not going to work.“ She was mistaken:

 

Jährliche Sonneneinstrahlung in kW/m2 in den USA, Spanien und Deutschland (©NREL)

 

Solche Fehlinformationen in den Medien über die deutsche Energiewende scheinen sich in den USA zu häufen, so dass bereits das Wort Energie-Anaphabetismus die Runde macht.

 

 

Energiewende und Klimawandel

 

Diese beiden Wörter liest man häufig im Zusammenhang: Eine Energiewende sei notwendig, um den Klimawandel, wenn nicht zu stoppen, so doch wenigstens zu verlangsamen. Es soll ja auch in Deutschland noch Zweifler an einer Klimaänderung geben. Allerdings ist die entscheidende Frage nicht: Gibt es einen Klimawandel, sondern ist dieser durch menschliche Aktivitäten verursacht. Diese Aussage bestätigen 97% der Fachwissenschaftler aber nur 41% der amerikanischen Bevölkerung, wie eine Umfrage in den USA ergab:

 

Gibt es einen anthropogenischen Klimawandel? (©Yale University)

Vorgestern am 2. Februar war der traditionelle Groundhog Day. Dann wird in einem Dorf in Pennsylvania mit dem unaussprechlichen Namen Punxsutawney ein Murmeltier aus dem Winterschlaf geweckt. Wenn es beim Verlassen seines Baus seinen Schatten sieht, folgt noch 6 Wochen lang ein strenger Winter. Hier ist Bill Murray in dem Film: Und täglich grüßt das Murmeltier, mit einer Botschaft an die amerikanische Bevölkerung:

 

Sind wir alle Murmeltiere oder vielleicht sogar Lemminge?

 

Sparen, sparen, sparen

 

Als Grund für die langsame aber stetige Temperaturerhöhung der Erde haben Wissenschaftler die sogenannten Treibhausgase ausgemacht, deren Ausstoß man verringern muss. Wo sind große Einsparungen möglich? Wer sind die größten Klimasünder?

 

Kohlendioxidemissionen verschiedener Länder absolut und pro Kopf (©dpa)

 

 

Kohlekraftwerke abschalten

 

Wie setzt sich der CO2-Ausstoß zusammen?

 

Davon entfallen 72% auf Kohlendioxide, 18% auf Methan, und 9% auf Stickoxide.
Man beachte die 10%-Emission durch Brandrodungen zur Gewinnung von Ackerflächen (©Wikipedia/Robert. A. Rhode)

 

Genug vom Klimawandel, denn es gibt für uns Erdbewohner ein weit größeres Problem:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Endliche fossile Energiereserven

 

Die Welt fährt auf Reserve (©The Shire Farm)

Bei 7 Milliarden Menschen auf unserem Erdball werden die fossilen Energieträger knapp, aber auch die Trinkwasserreserven schrumpfen, die letzten Urwälder zur Ackerlandgewinnung werden abgeholzt und die Weltmeere leergefischt.

 

Wie lange können wir noch mit fossilen Energieträgern rechnen? (©BP)

 

Die Energiewende, Unterschiede zwischen USA und Deutschland

 

Das Ausland bewundert uns einerseits für unseren Mut und die Fortschritte bei der Energiewende, andererseits sei dieser hastige Umstieg auf erneuerbare Energien zu teuer. Wenn uns vor allem die Amerikaner kritisieren, so sehen sie die deutsche Energiewende aus ihrem Blickwinkel.

 

Im Gegensatz zu Deutschland verfügen die USA über beträchtliche Öl- und Gasreserven, doch sollten sie sich bei aller Euphorie über das Fracking der Ölschieferschichten nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch diese Quelle einmal erschöpft sein wird. Das Versiegen von relativ leicht zugänglichen fossilen Energiequellen wird dazu führen, dass es in einigen Jahren zu einer Verknappung von Öl und Gas kommt, die mit beträchtlichen Preisanstiegen einhergehen wird.  

 

Auch wenn der Geschäftsführer des deutschen Mineralölwirtschaftsverbands Klaus Picard angesichts der fallenden Preise für Rohöl noch vor zwei Woche verkündete: Damit sind die Prognosen widerlegt, wonach der Rohstoff Öl immer knapper und teurer werden muss, so ist das eine verdammte Lüge, wie auch die bereits wieder anziehenden Ölpreise zeigen.  

 

Andrerseits warnen Experten, dass bei den z. Zt. niedrigen Energiepreisen zwei wichtige Pfeiler der Energiewende Energieeffizienz und Energiesparen wegbrechen.

 

 

Klimaziele

 

Eine Energiewende tut Not, das haben auch die USA eingesehen. Präsident Obama ließ durch die US-Energiebehörde EPA mitteilen, dass die Vereinigten Staaten ihren Kohlendioxidausstoß bis 2030 gegenüber 2005 um 30% reduzieren wollen. Stolz verkündete der Präsident im letzten Jahr: Kein Land der Erde hat sei 2006 seinen Kohlendioxidausstoß so stark reduziert wie die USA.  

 

Nun ist es einfach von einem hohen Niveau ausgehend absolut viel CO2 einzusparen. Außerdem lassen sich wegen des preiswerten Erdgases (Stichwort Fracking) verstärkt Kohlekraftwerke abschalten, denn schließlich erzeugt Gas bei der Verbrennung 45% weniger CO2 als Kohle. Ein Geochemiker der Universität Harvard banalisierte: Am wirksamsten lassen sich die neuen Klimaauflagen durch die Stilllegung von Kohlekraftwerken erreichen. Energiewende auf amerikanisch eben.  

 

Die EU möchte bei der Energieerzeugung die CO2-Emissionen gegenüber 1995 bis zum Jahre 2020 um 20% verringern; dabei nimmt in Deutschland beim derzeitigen Wirtschaftsboom der Kohlendioxid-ausstoß zu.  

 

Energiesparziele von EU-Staaten (©Die Zeit)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Präsident Obama zur Lage der Nation

 

Präsident Obama zeigte bei seiner diesjährigen Rede zur Lage der Nation drei aus seiner Sicht wichtige Dias zur Energiewende:

 

Das ist zu einfach besonders in Nevada

Parkhaus in Las Vegas (©Corbis)

Letztlich trägt die Solarenergie in den USA zur Stromerzeugung zur Zeit weniger als 1% bei. In Deutschland sind es 6%.

 

Und ich dachte immer, die Spanier machen’s mit der Sonne

Auch bei der Stromerzeugung durch Windenergie ist Obama nicht wirklich überzeugend, wenn man die Bevölkerung der USA von 315 Millionen mit den 80 Millionen Deutschen vergleicht. Der Anteil der Windkraft zur Stromerzeugung in den USA beträgt nur 4%, während es in Deutschland bereits 11% sind. Dabei ist in Deutschland zur Zeit mehr Windenergie installiert als einsetzbar ist. Der Grund; es fehlen die Abnehmer oder besser die Stromtrassen zu den Abnehmern.

 

 

Höchstspannungsleitungen

 

Ist es besser, Strom lokal zu erzeugen oder vom Erzeuger über Stromleitungen zum Verbraucher zu transportieren? Um Übertragungsverluste zu vermeiden, ist es grundsätzlich vorzuziehen, Strom vor Ort zu erzeugen. Die Ökoalternative sind riesige Windparks vor der deutschen Küste, die über neue Stromleitungen den Strom von Nord nach Süd übertragen.

 

Gegen beide Möglichkeiten regt sich Widerstand: Die einen möchten keine Nord-Süd Stromachse nach Bayern, die anderen keine Verspargelung des Schwarzwalds. Die Amerikaner prägten für Leute mit dieser Einstellung bereits einen Namen: die NIMBYs (Not in my backyard).

 

Zur Zeit wird in Baden-Württemberg 50% des Stroms in Atomkraftwerken erzeugt, ein Anteil, der bis 2020 nach dem Atomausstiegsgesetz auf null heruntergefahren werden muss. Letztlich benötigen wir beides: Transport von Elektrizität aus Gegenden, in denen sie erzeugt wird, an Orte, in denen sie gebraucht wird, und eine lokale Energieerzeugung und -speicherung (Stichwort Atdorf).

 

 

Geplante Nord-Süd Stromtrassen (©BZ)

 

 

Baden Württemberg will bis 2050: 50% Energie sparen, 80% des Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugen und 90% Kohlendioxid einsparen.

Am wenigsten hat mich Obamas Graphik zum Rohöl-Import in die USA und zur einheimischen Ölförderung beeindruckt, wenn auch hier die Republikaner beider Häuser den notorischen Beifall der Demokraten kräftig unterstützten.

 

Ein Pyrrhussieg auf tönernen Füßen …

… denn bereits 2040 werden die US-Importe von Rohöl wieder ansteigen (©DW)

 

Fazit

 

Die Energiewende in den USA wird vor allem durch das Streben nach Energieautarkie vorangetrieben. Dabei schrecken die USA auch vor dem Neubau von Kernkraftwerken nicht zurück, während wir in Deutschland wegen des Mangels an einheimischen Energiequellen (Braun- und Steinkohle sowie Kernkraft sind tabu) zum Ausbau von erneuerbaren Energien gezwungen sind.

 

Ein weiterer Unterschied zwischen der Energiewende in den USA und Deutschland sind die staatlichen Eingriffe im Energiesektor. Während in den USA die Lobbyisten der Stromindustrie bereits gegen Ansätze bei der Subvention von privaten Solaranlagen Sturm laufen, laufen in Deutschland die staatlichen Subventionen für Privatanlagen aus dem Ruder. Mit der Maxime der Markt wird es schon richten herrschen drüben die Gesetze des Kapitalismus, während man hier mit staatlichen Regelungen versucht, die Energiewende in den Griff zu bekommen.  

 

Bei allem Lob aus den USA gibt es aber auch Kritik:

 

Das ist nicht der plombier polonais, das ist der American electrician

Hier schraubt ein amerikanischer Elektriker einen intelligenten Zähler an die Außenwand eines Hauses. Damit kann der Endverbraucher seinen täglichen Stromverbrauch mit Hilfe von Apps geschickt steuern, denn der Preis pro kWh schwankt ständig. Diese Schwankungen werden noch verstärkt durch aleatorische Energiequellen wie Sonne und Wind. In Europa wird der internationale Spot-Marktpreis der Elektrizität für Deutschland einheitlich festgelegt, in den USA dagegen ist der Markt für Strom stark in Regionen aufgespalten. Während die EU an den neuen „Kupferbändern“, die Europa durchziehen, festhält, sollte ein mehr lokaler Markt das zum Teil verhindern können. Technisch gesehen sieht der Einbau von Smart Metern recht gut aus. Allerdings sieht die deutsche Regierung die Installation intelligenter Stromzähler, wohl aus Datenschutzgründen, äußerst skeptisch, gilt es doch das Waschverhalten der deutschen Hausfrau vor neugierigen Kraftwerksbetreibern zu schützen.

 

In der Tat könnten die gelieferten Daten eines solchen Zählers nicht nur von der NSA missbraucht werden. Wer garantiert, dass die Stromerzeuger die Daten nicht zu ihren Gunsten manipulieren, um höhere Preise für Strom zu erzielen.

 

Wie sagte schon Lenin: Доверяй, но проверяй (Vertraue, aber prüfe nach), bei uns recht lasch mit: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser übersetzt.

 

 

This page was last updated on 06 Februar, 2015