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Globale Erwärmung oder Gaia schlägt zurück

 

 

 

 

 

 

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Nebenstehendes Bild zierte das TIME-Magazin im Jahre 1988, als es statt des Man of the Year unsere Erde ehrte. Damals warnten erst wenige vor einem Klimawandel.

 

 Nach dem heißen Sommer 2003 und spätestens seit dem verlorenen Winter 2006/2007 reden nun alle von der globalen Erwärmung, auch auf höchster politischer Ebene in der UNO und der EU.

 

Im Falle der UN erregt der vierte Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC)  vom Februar diesen Jahres Aufsehen, während in der EU unter deutschem Vorsitz beschlossen wurde, bis 2020 im Vergleich zu 1990 den CO2-Ausstoß um 20 % zu reduzieren. Gleichzeitig soll sich der Anteil erneuerbarer Energien in den Mitgliedsstaaten erhöhen und zwar auf ebenfalls 20 %. Bundesforschungsministerin Schavan kündigte einen neuen, diesmal rein deutschen Klimagipfel mit 200 Wissenschaftlern an. Dies alles rief die Kritiker auf den Plan, von denen die einen dem IPCC Panikmache und die anderen der EU Augenwischerei vorwerfen.

 

Die Lektüre des Buchs aus dem Jahre 2006 The Revenge of Gaia von James Lovelock  hat mich überzeugt, dass die Menschheit vor der größten Herausforderung in ihrer Geschichte steht. Dabei bezieht sich Lovelock wesentlich auf den Klimabericht des IPCC von 2001. Die neuen Daten des 2007-Berichts bestätigen auf dramatische Weise die damaligen Extrapolationen der Klimadaten durch neue Messergebnisse.

 

Der Gaia-Hypothese Lovelocks, dass die lebende Erde bisher die Kraft hatte, das Klima selbst zu regulieren und damit den Fortbestand des Lebens auf der Erde ermöglichte, kann ich nur sehr bedingt folgen.

 

 

 

Die Messdaten

 

Der globale Temperaturanstieg in den letzten hundert Jahren ist in der als Hockeyschlägergrafik bekannten Darstellung deutlich zu erkennen. Eigentlich weisen Langzeitmessungen* für die letzten 1000 Jahre auf eine Erdabkühlung hin, d. h. das Klima bewegte sich im  letzten Millennium in Richtung auf eine Eiszeit zu. Der zeitliche Verlauf der Temperatur bis 1900 erklärt, warum die Alpen im Mittelalter eisfrei waren, während geschichtliche Quellen in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Europa von einer kleinen Eiszeit berichten.

*Gewonnen aus Bohrungen im Grönlandeis

 

 

 

 Die deutliche Temperaturerhöhung seit 1900 zeichnet sich durch ihren starken Anstieg vor allem in den letzten zehn Jahren aus. Im 2007-Klimabericht des IPCC wird die Extrapolation der Temperaturerhöhung im Bericht von 2001 durch Messungen bestätigt und gleichzeitig  der Fehlerbereich für eine weitere Extrapolation der Daten in die Zukunft verkleinert.

 

Mit der globalen Erwärmung geht ein dramatisches Abschmelzen der Alpengletscher, des Grönlandeises und des Eises an den Polen einher. Deshalb wird eine Erhöhung des Meeresspiegels erwartet, wobei die Voraussagen stark schwanken, denn zusammen mit dem Wasserzufluss wird eine Volumenerhöhung der Ozeane auch durch den Temperaturanstieg der Meere verursacht. Die Erwärmung der Ozeane verläuft jedoch weniger dramatisch als die Erwärmung der Erde, und so sind sich die Wissenschaftler über das Ausmaß des Anstiegs der Meeresspiegel noch weitgehend uneins.

 

 Als Hauptursache der Erderwärmung wird der Treibhauseffekt angesehen hervorgerufen durch die Erhöhung der CO2-Konzentration in der Luft. Der beschleunigte Verbrauch von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Gas in den letzten Jahren durch eine weiterhin steigende Erdbevölkerung hat zu einer Erhöhung der CO2-Konzentration  in der Atmosphäre von ursprünglich 280 ppm auf 350 ppm geführt. Wie in der unten stehenden Grafik des IPCC dargestellt tragen andere Treibhausgase wie Methan, Stickoxyde, Ozon und Chlorwasserstoffe ebenfalls und zum Teil wesentlich effektiver zum zusätzlichen Wärmeeintrag bei. Daneben erhöht die Verschmutzung der Schneedecke durch Ruß und andere Feinstäube die Strahlenabsorption und damit die Erderwärmung.

 

 

 

 

 

 

Auf der anderen Seite vermindern  Luftverschmutzung und wegen der Erwärmung der Oberflächenwasser eine vermehrte Wolkenbildung  die Sonneneinstrahlung. Der Einfluss der Luftverschmutzung lässt sich gut mit der Einleitung von Aschepartikeln in die Atmosphäre nach Vulkanausbrüchen illustrieren, wie links dargestellt.

 

In Korrelation mit der beobachteten erhöhten Verdampfung des Wassers in den Tropen, wird seit 1970 eine erhöhte Sturmaktivität im Nordatlantik beobachtet

 

 

Auf der nebenstehenden Aufnahme unseres blauen Planeten sind Hurrikan Andrew und ein Tropenregen in der Nähe des Panamakanals gut zu sehen.

 

 

Weitere klimatische Beobachtungen

 

Der 2007-Klimabericht das IPCC zählt weitere Beo-bachtungen auf:

 

Die Zahl der kalten Tage und kalten Nächte mit Frost hat abgenommen.

 

Die Zahl der heißen Tage und Nächte sowie die Hitzewellen haben zugenommen.

 

Der vergangene Winter gilt mit einer mittleren Temperaturerhöhung von 0,7 °C als der wärmste seit 1900.

 

Die Temperatur der Permafrostgebiete in Sibirien ist seit 1900 um 3 °C gestiegen. Deren Gesamtfläche hat um 7% abgenommen.

 

Die Eisfläche in der Arktis  hat seit 1983 deutlich abgenommen. Durch den verminderten Albedoeffekt wird es zu einer beschleunigten Erwärmung der Erde kommen.

 

 

Die mittlere Schneehöhe im Schwarzwald hat von 130 cm im Jahre 1950 auf heute 45 cm abgenommen. Das bedeutet für die Bäche und Flüsse in der Region eine deutlich geringere Wasserzufuhr im Sommer.

 

 

 

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Die Hilflosigkeit der Politiker

 

Aus einem Streitgespräch zwischen dem CDU-Landtagsabgeordneten Christoph Palmer und seinem Cousin dem grünen Oberbürgermeister von Tübingen Boris Palmer spricht die Hilflosigkeit der Politiker:

 

Christoph: Wir brauchen eine Verschärfung von Kyoto, wir brauchen verbrauchsärmere Autos, Hybridantrieb, Energieeinsparung alles kein Dissens. Aber...

 

Boris: Das ist doch schon eine Menge Konsens ...

 

Christoph: Das entscheidende ist die Kernkraft und da, Boris, bist du auf dem Holzweg. Ich rede jetzt - mit allem Respekt vor Tübingen, Herr Oberbürgermeister - von der globalen Perspektive: China baut jede Woche ein Kohlekraftwerk mit CO2-Emissionen. Wenn wir die Klimakatastrophe vermeiden wollen, geht das nicht ohne Kernenergie. Nur die Grünen verstehen das nicht.

 

Boris: Wenn es stimmen würde, dass man mit der Kernenergie den Klimawandel aufhalten kann, würde ich die Recht geben. Nur: Es stimmt nicht. Aber ich teile die Aussage, dass die Gefahren des Klimawandels größer sind als die der Kernenergie.

 

Christoph: Das ist weitgehend. Ich bin schon zufrieden.

 

Ich bin mit diesen Aussagen gar nicht zufrieden. und kann James Lovelock nur zustimmen, wenn er das Kyoto-Protokoll mit dem Münchener Abkommen vergleicht. 

 

Sicherlich stimmen alle zu, dass wir verbrauchsärmere Autos, Hybridantrieb und Energie-einsparung benötigen, doch dies brauchen wir, wenn der Klimawandel auch nur gebremst werden soll, sofort und nicht nach langen technischen Entwicklungen und quälenden politischen Diskussionen, 

 

China baut jede Woche ein Kohlekraftwerk mit CO2-Emissionen. Schon Adenauer muss es jeahnt haben, denn, nachdem er anfänglich immer die Soffjetunion als Gefahr für die BRD herausgestellt hatte, führte er vor dem Bundestag aus: Meine Damen und Herren, ich saje nur Kina.

 

Das Land der Mitte hat wirtschaftlich die größte Wachstumsrate und ist wie die Grafik zeigt bereits jetzt nach den USA weltweit der zweitgrößte CO2-Produzent.

 

Und was tun die führenden USA? Präsident Bush zeigt seine Hilflosigkeit, wenn er vor laufender Kamera verkündet: We will work with our allies on this issue but I will not accept any plan that will harm our economy and hurt American workers.

 

Der US Supreme Court kritisierte die Bush-Regierung für ihre Versäumnisse im Kampf gegen die Erderwärmung: Bundesrichter John Paul Stevens schreibt: Ein gut dokumentierter Anstieg der globalen Temperaturen trifft zusammen mit einem erheblichen Anstieg der Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre. Angesehene Wissenschaftler sind der Ansicht, dass die zwei Trends miteinander in Verbindung stehen.

Zurück zur Palmer-Diskussion:

 Wenn wir die Klimakatastrophe vermeiden wollen, geht das nicht ohne Kernenergie. Dazu ist nebenstehende Grafik  aufschlussreich. Danach werden in den 27 EU-Staaten 79% der Primärenergie aus fossilen Brennstoffen gewonnen. Der Wert von 14,4% für die Kernenergie kommt wesentlich durch die französischen Kernkraftwerke zustande. In Deutschland beträgt der Anteil der Kernenergie am Energiemix gerade einmal 9%. Ein massiver Ausbau der Kernkraft ist in Europa politisch nicht durchsetzbar und selbst nach einem Konsens benötigt man technisch mindestens zehn Jahre, bevor ein Kraftwerk ans Netz geht. Dabei ist es höchste Zeit, wenn nicht schon zu spät für eine grundlegende Umsteuerung der Energieversorgung, wie die Voraussagen des 2007-Klimaberichts des IPCC zeigen.

 

 

Voraussagen des IPCC

 

Die Extrapolationen des IPCC in die Zukunft sind recht düster. In den nächsten 20 Jahren wird bei einer moderaten Zunahme der Treibhausgasemissionen eine Temperaturerhöhung um 0,2 °C pro Dekade vorausgesagt.

Szenario A2 (die rote Kurve) der Erderwärmung geht von einem gesunden nationalen Egoismus der Völker beim Energieverbrauch und von einem weiteren langsamen Anstieg der Bevölkerung bis 2100 aus.

 

Im Szenario B1 (die blaue Kurve) wird eine Bevölkerungszunahme bis 2050 und eine anschließende Abnahme angenommen bei einer gleichzeitigen globalen Einführung moderner nachhaltiger Energietechnologien.

 

Selbst wenn die Konzentration der Treibhausgase konstant auf dem Wert vom Jahre 2000  gehalten wird, erwartet man nach der Extrapolation der unteren Kurve in obenstehender Grafik noch eine Erderwärmung um 0,1 °C  pro Dekade.

 

Frühere Abschätzungen des IPCC einer Temperaturerhöhung von 0,15 bis 0,3 °C pro Dekade lassen sich nun mit dem seit 2001 beobachteten Wert von 0,2 °C vergleichen, der auch im Falle eines weiteren mäßigen Anstiegs der Treibhausgaskonzentration gültig sein wird.

 

Durch das Abschmelzen des Eises in den Polargebieten und mit der Erwärmung der Weltmeere wird der Meeresspiegel pro Dekade um 25 mm ansteigen. Ein vollständiges Abschmelzen des Grönlandeises könnte zu einem Anstieg der Ozeane um 4 bis 6 m wie vor 125000 Jahren führen. Dann ist nicht nur Holland in Not!

 

 

Was können wir tun

 

Eine natürliche Möglichkeit den Klimawandel abzumildern ist, Energie einzusparen. Wird diese Chance genutzt? In der linken Grafik sieht im Vergleich zu Russland, China und Indien die Energie-Effizienz der USA noch recht passabel aus. Sicherlich kann man den niedrigen Wert für Deutschland noch verbessern, doch wird ein Einsatz von Sparlampen zu 100 % sich höchstens in der dritten Dezimale bemerkbar machen.

 

Was aber wird aus all den Sparanstrengungen, wenn die Weltbevölkerung auch über 2050 weiter ungehemmt ansteigt.

 

 

Referenzen

 

Bericht des IPCC, Climate Change 2007: The Physical Science Basis als Powerpoint Präsentation

 

Climate Change 2007: The Physical Science Basis, Summary for Policymakers

Contribution of Working Group I to the Fourth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change, Paris, 7 February 2007. Die Berichte können unter:

 http://http://www.ipcc.ch/ gelesen werden.

 

Lovelock, James, The Revenge of Gaia, Allen Lane Penguin Books, London 2006

 

Reimann, Kurt E. Hrgb., Climate change: beyond whether, UBS A.G., Wealth Management Research, Zürich 2006

 

Spiegel Spezial, Neue Energien, Wege aus der Klimakatastrophe, 1, 2007

 

Streitgespräch zwischen dem CDU-Landtagsabgeordneten Christoph Palmer und seinem Cousin dem grünen Oberbürgermeister von Tübingen Boris Palmer, BZ vom 17.2.07.

 

 

This page was last updated on 18 November, 2014