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Intelligent Design versus Darwinismus

Glaubenskrieg um die Evolution

 

 

 

 

 

 

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Beim ersten deutsch-amerikanischen Stammtisch im Jahre 2006 gehen wir ein Thema an, welches seit Jahren die politisch-religiöse Diskussion in den USA beherrscht, in Deutschland dagegen die Gemüter nur recht milde bewegt. Daran hat auch die Titelstory des Spiegel zu Weihnachten wenig geändert [Sp5205]. Ebenso riss ein Artikel in der Badischen Zeitung mit dem Titel: Welcher Teufel hat den Kardinal geritten? niemanden vom Hocker [BZ070106]. Davon zeugten die wenigen und zudem, wie ich fand, auch wenig fundierten Leserbriefe zu dem Thema.

 

Zwei Fragen

 

Als Naturwissenschaftler widerstehe ich der Versuchung, meine Einleitung zur heutigen Diskussion mit Urknall, Quantenmechanik und DNA-Analyse zu belasten. Dagegen  möchte ich folgende Fragen an den Anfang stellen:

 

1. Gibt es, wie immer es jeder Einzelne ausdrücken oder empfinden mag, einen Weltgeist, eine Weltseele, ein höheres Wesen, das wie verehren (wie es in der französischen Revolution formuliert wurde), einen Schöpfer oder sogar einen persönlichen Gott?

 

2. Wenn es denn so ein Wesen gibt, in wie weit greift diese Macht oder Kraft in die Entwicklung der Welt ein? Oder ist, wie der französische Biochemiker Jacques Monod in seinem Buch Le hasard et la nécessité schreibt, die Entstehung des Lebens purer Zufall und läuft nun die Entwicklung der Natur und auch des Menschen in der Notwendigkeit seines Erbgutes mit gelegentlichen spontanen oder auch induzierten Mutationen ab [Mono70].

 

Erläuterung

 

Dazu schreibt der bekennende Atheist Umberto Eco im seinem Dialog mit dem Mailänder Kardinal Carlo Maria Martini, erschienen als Buch unter dem deutschen Titel: Woran glaubt, der nicht glaubt[MaEc98]: Der Mensch ist auf der Erde als ein Irrtum des täppische Zufalls erschienen und der Sterblichkeit ausgeliefert. Eco fährt fort: Wir Menschen sind das unvollkommenste aller Lebewesen, denn wir sind dazu verurteilt, ein Bewusstsein zu haben. Damit meint Eco das bekannte: Cogito, ergo sum Pascals, welches ich mit Ich weiß um mich, also bin ich übersetzen möchte.

 

Eco schreibt dann weiter: Mit seinem Bewusstsein wird der Mensch auf seinen Tod wartend notgedrungen zu einem religiösen Wesen, indem er sich Modelle seiner Finalität ersinnt. Er geht hier weiter als Feuerbach, für den der Gott der Juden und der Christen anthropomorph ist, also nichts anderes als die bloße menschliche Projektion eines strafenden oder gütigen Vaters ist.

 

Dazu passt in diesem Jahr ein Zitat von Heine, der sich ja bekanntlich als Jude protestantisch taufen ließ: Die Hebräer denken sich Gott als einen donnernden Tyrannen, die Christen als einen liebenden Vater, die Schüler Rousseaus, die ganze Genfer Schule, denkt sich ihn als einen weisen Künstler, der die Welt verfertigt hat, ungefähr wie ihr Papa seine Uhren verfertigt, und als Kunstverständige bewundern sie das Werk und preisen den Meister dort droben [Hein05].

 

Abschweifung

 

Mir drängte sich bei der Beschäftigung mit dem heutigen Thema unwillkürlich der Gedanke auf, ob vielleicht die tiefere Bedeutung der Erbsünde in der Beschränktheit unseres Bewusstseins zu suchen ist.  Zwar haben Adam und Eva in den Apfel des Baums der Erkenntnis gebissen, doch reichte die genossene Menge vielleicht gerade mal aus, wie es in der jüdischen Bibelübersetzung von Martin Buber bei Moses Kapitel 3 Vers 5 heißt: dass sich beiden die Augen klärten und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie flochten Feigenlaub und machten sich Schurze [Bube76].

 

Nach über 2000 Jahren Wissenschaft und Philosophie stehen wir zwar nicht mehr körperlich, aber  immer noch bewusstseinsmäßig nur mit einem Lendenschurz bekleidet da. Hierzu passt, dass nach den Bemühungen von Einstein, Heisenberg und Stephen Hawking eine Weltformel aufzustellen, letzterer inzwischen die Suche nach einer solch umfassenden Beschreibung der Welt  aufgegeben hat.

 

Angekündigt hatte Hawking seine Suche mit aufklärerischem Optimismus to know the mind of God, doch im Jahre 2004 änderte er plötzlich seine Meinung mit der Begründung: Wir und unsere Modelle sind Teil des Universums. Mit diesem sind wir so verwoben, dass es uns prinzipiell nie gelingen wird, seine Geheimnisse vollständig zu entschlüsseln [Küng05].

 

Zurück zum Thema:

 

Gibt es einen Gott, der die Welt und den Menschen erschaffen hat und der auch weiterhin aktiv ins Weltgeschehen eingreift, und den darum viele Religionen als einen Übervater begreifen, oder

 

Haben wir es mit einem Schöpfer zu tun, der seinen intelligenten Entwurf des Weltalls angestoßen hat und nun im Sinne des großen Theologen Karl Rahner den weiteren Ablauf den Gesetzen der Naturwissenschaft und Vererbung überlässt, oder

 

ist alles nur purer Darwinismus, bei dem sein radikaler Vertreter Jacques Monod nicht nur die Auffassung vertritt, dass Leben ein Ergebnis des Zufalls ist, sondern auch, dass der Mensch als vorläufiges Ende der biologischen Entwicklung unter einem schweren genetischen Defekt leidet, nämlich seiner Suche nach Gott.

 

Ausklang

 

Ich möchte die Diskussion mit dem bekannten Zitat aus dem Paulusbrief an die Korinther, Kapitel 13, Vers 12/13 schließen: Denn jetzt schauen wir durch einen Spiegel im unklaren Bild, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, so wie auch ich erkannt bin. Jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe diese drei; das Größte von Ihnen ist die Liebe.

 

So bekommt für mich als Katholik das sola fide eines Martin Luther seine tiefe Bedeutung, denn Hoffnung erwächst allein aus dem Glauben. Aus dieser Hoffnung schöpft auch Hans Küng sein gläubiges Vertrauen in die Liebe Gottes [Küng05].

 

 

 

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Literatur

 

Bube76: Martin Buber und Franz Rosenzweig, Die Schrift, Die fünf Bücher der Weisung,
Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 1992

 

BZ070106: BZ-Interview, Welcher Teufel hat den Kardinal geritten?,
Badische Zeitung vom  7. Januar 2006, Seite 33

 

Hein05: Heinrich Heine, Mit scharfer Zunge, 999 Aperçus und Bonmots, dtv, München 2005

 

Küng05: Hans Küng, Der Anfang aller Dinge, Naturwissenschaft und Religion,
Piper Verlag, München 2005

 

MaEc98: Carlo Maria Martini und Umberto Eco, Woran glaubt, der nicht glaubt?,
Paul Zsolnay Verlag, Wien 1998

 

Mono70: Jacques Monod, Le hasard et la nécessité, Editions du Seuil, Paris 1970

 

Sp5205: Titel, Gott gegen Darwin, Glaubenskrieg um die Evolution, Der Spiegel Nr. 52, 136, 2005

 

 

This page was last updated on 28 Februar, 2013