Red Barons Webseiten

 

 

Radeltour 2009

 

 Esens

Wilhelmshaven

Bad Zwischenahn

Zurück

 

Jever

 

Ein Teil der Stadtkirche von Jever ist ein lichtdurchfluteter Betonneubau, der nach dem zweiten Brand des Gebäudes von 1959 errichtet wurde ©GK

Im Altbau der Kirche befindet sich das Denkmal für Edo Wiemken dem Jüngeren (1468 ‑ 1511) des letzten Häuptlings vom Jeverland. Es wurde um 1560 errichtet und gilt als bedeutendes Beispiel der späten niederländischen Renaissancekunst (Manierismus) 

Zum ersten Mal brannte die Stadtkirche im Jahre 1728 und zwar vollständig ab. In Erinnerung daran lautet die Inschrift über dem Zugang zum älteren Teil des Gebäudes Fluctibus et flammis somno revocata Jehvera excussis tenebris surge parata Deo und strapazierte unsere Lateinkenntnisse, mit denen wir bald am Ende waren. Meine nachträglich mühsame Interpretation macht daraus: Aus Fluten und Flammen hat Jever mich aus dem Todesschlaf gerufen, aus der abgeschüttelter Finsternis auferstanden, Gott bereitet. Wer es besser kann, melde sich bitte.

 

Dem Fürsten Bismarck von den Getreuen

 

 

 

 

To'n teinten Mal bring wy van't Jahr
Uns Glückwunsch to'n Geburtsdag dar.
Lew lang! to Dütschlands Heil un Segen
Behöd' Dy Gott up all Dyn Wegen.

Jever 1. April 1880.   Die Getreuen

 

 

De Jahren komt, de Jahren gaht
Et grönt un bleut de junge Saat,
De Du hest sait mit faste Hand
Vör't Riek, vör't Dütsche Vaderland.
Mögt ook Jahrhunderten vergahn,
Din Wark dat blifft, dat ward bestahn.

Jever 1. April 1896.   Die Getreuen

Zu jedem Geburtstag Bismarcks: 101 Kiebitzeier und ein Gedicht ©GK

Bismarck-Gedichte in den Schaufenstern als Blickfang 

 

Friesisch herb

 

 

Altes Zunftzeichen in Jevergrün und moderner Jevermann 

 

Elektronisches Brauen mit Hopfen in Pellets ©GK

 

Alte Flaschen werden gereinigt und befüllt ©GK

 

 

Fertig zum Abtransport oder doch lieber gleich trinken ©GK linkes Photo

 

Wilhelmshaven

 

Fertig zum Spaziergang durch Wilhelmshaven, vorbei an der Ruine der Banter Kirchwarf (5,2 m ü. NN). Banter - heute ein Stadtteil von Wilhelmshaven - war ein Kirchspiel, welches 1511 in der Antoni- oder Eisflut* unterging. Die Ruine der Kirche wurde 1529 ausgedeicht ©GK linkes Photo

*Da ist das Eiß in der Jahde und Weser mit einem großen und erschrecklichen Sturmwindt auffgedäwet, hat sich auch das Wasser dermassen ergossen, daß es über alle Teiche (Deiche) gangen, dadurch die Häuser mit dem Eise umbgeworffen, die Beester ersoffen, auch viel Leute im Butjadingerlande und Mohrime umbgekommen sein. Das Rustringerlandt hat es am allerschwersten getroffen, obdieweil diese nachfolgende Kirchen und Carspel (Kirchspiele) Overahme, Dowens, Bandt, Seedick, Bordum, Oldtbrügge und das Kloster Havermonnicken im Wasser untergangen sein.

 

Zu Fuß dem Jadebusen entlang und vorbei am russischen Segelschulschiff und an ...©GK

 

Die Warnung am Eingang zum Deutschen Marinemuseum
 ließ uns Stürmisches erwarten

 

... dem Willi sin Brück

 

Kurze Geschichte der Deutschen Marine

 

Die Geschichte der Deutschen Marine (Kriegsmarine) ist eine Folge von Pech, Pannen, Prestigedenken gepaart mit Populismus und peinlichen Pleiten. Die Idee Kaiser Ferdinands im Jahre 1628 den Herzog von Mecklenburg Wallenstein zum General der Ozeanischen und Baltischen Meere zu ernennen, forderte den Schwedenkönig Gustav Adolf heraus, der die Ostsee als sein Revier betrachtete. Was hatten die Habsburger auch am Mare Balticum zu suchen?

 

Schmerzlich vermisst wurde eine Deutsche Marine 1848 im Konflikt mit Dänemark um Schleswig-Holstein. Die Deutsche Nationalversammlung in Frankfurt kümmerte sich energisch um deren Aufbau. Doch bereits 1852 war diese Bundesmarine mangels finanzieller Unterstützung der Staaten des Deutschen Bundes pleite. Die wenigen Schiffe wurden versteigert.

Ende der 1860er Jahre begann Preußen, nachdem es mit dem Erwerb von Ostfriesland und dem Hafen Emden endlich Zugang zur Nordsee hatte, mit dem Bau einer Hochseeflotte. Der Auslöser war der erneute Konflikt mit Dänemark im Jahre 1864. Zwar siegten die Preußen im Bündnis mit den Österreichern bekanntlich zu Lande auf den Düppler Schanzen, doch zu See blockierten die Dänen erneut die deutschen Häfen.

 

Im Jahre 1875 lief nach vierjähriger Bauzeit das von der preußisch-königlichen Werft Wilhelmshaven erbaute mit vier Ringkanonen bestückte Turmschiff Großer Kurfürst (linkes Bild) vom Stapel. Nachdem die Panzerfregatte am 6. Mai 1878 in Dienst gestellt worden war, ging sie als ein Aushängeschild des neuen Deutschen Reiches zusammen mit dem Flaggschiff König Wilhelm und ihrem in Kiel gebauten Schwesterschiff Preußen auf Auslandsreise. Bei dieser Ausfahrt, die bis nach Gibraltar führen sollte, reißen die Pannen und Peinlichkeiten nicht ab:

Im Großen Belt unter den Augen der seeerprobten Dänen und Schweden hat Großer Kurfürst Grundberührung. In der Nordsee bei der Fahrt in Richtung England kommt das Schiff kaum voran, denn die Kohle brennt schlecht. Zu allem Überfluss klemmt auch noch das Ruder. Schließlich erreicht der Konvoi Ende Mai die englische Küste. Was dann geschah beschreibt eine Marinebericht: Am Freitag, dem 31. Mai 1878, in den Vormittagsstunden zwischen 10 und 11 Uhr, ist die deutsche Kriegsmarine von einem erschütternden Unglück betroffen worden. Infolge einer durch ein falsch verstandenes Commando bei der Steuerung der Panzerfregatte König Wilhelm veranlaßten unrichtigen Bewegung fand in der Nähe der englischen Küste zwischen Dover und Folkestone ein Zusammenstoß zwischen den beiden größten und wehrtüchtigsten Panzerschiffen, dem König Wilhelm und dem Großen Kurfürst, statt, welcher mit schwerer Beschädigung des ersteren und dem völligen Untergang des letzteren endet. Ein kostbares Stück unserer nationalen Rüstung ruht plötzlich in der Tiefe des Meeres und mit ihm 269 Mann der 478 Mann starken Besatzung. 

Diese Schmach im Angesicht der Engländer konnte der oberste Kriegsherr und Flottenchef Wilhelm II. (links oben hinter Glas) nicht ertragen. Der forcierter Bau einer Deutschen Hochseeflotte sollte endlich die Blockade der deutschen Küsten verhindern. Auch wollte Wilhelm den Briten imponieren - und verärgerte sie.

 

Im Jahre 1916 beim Showdown im Skagerrak verlor die englische Flotte zwar mehr Schiffe (23 Einheiten mit 169000 Tonnen und 6094 Gefallenen gegenüber 11 Einheiten mit 61000 Tonnen und 2551 Gefallenen), doch die Seeschlacht zeigte auch, dass die deutschen Dickschiffe nicht in der Lage waren, die Seeblockade der Alliierten zu brechen. Immerhin erschwerte der anfangs erfolgreiche U-Bootkrieg  gegen die gegnerische Handelsflotte die Versorgung der alliierten Truppen in Frankreich.

 

November 1918: Matrosenaufstände auch in Wilhelmshaven

 

Schon am 6. November 1918 wurde in Wilhelmshaven  eine Arbeiter und Soldatenrat gewählt, der als der sogenannte  21er Rat die Regierungsgewalt übernahm. Dieser  proklamierte am 10. November vor dem Ausflugslokal Elisenlust die Gründung der Sozialistischen Republik Oldenburg-Ostfriesland: Die 21er Kommission, als ausführendes Organ des Arbeiter- und Soldatenrats der Nordseestation und aller ihm unterstehenden Landesteile und Inseln Preußens, sowie ganz Oldenburgs und der gesamten Flotte hat in einer gestern Nacht stattgehabten Sitzung folgendes rechtskräftig beschlossen:

 

Der Großherzog von Oldenburg ist abgesetzt!

 

Wir fuhren an dem Ort vorbei und waren nicht sicher, ob wir vor dem richtigen Gebäude standen. Kein Hinweis auf den historischen Ort. Erst der Blick auf die noch heute vorhandene obere Firstverzierung gab uns Gewissheit.

Mit dem verlorenen Krieg und nach der Selbstversenkung der deutschen Hochseeflotte in der Bucht von Scapa Flow am 21. Juni 1919 verblieben der Marine nur wenige Altbauten. Der Versailler Vertrag verbot den Neubau von Kriegsschiffen mit mehr als 10000 Tonnen. So war deutscher Ingenieurgeist gefordert, als die Reichsmarine der Weimarer Republik Ersatz für die veralteten Schiffe anmahnte.

Mit Elektroschweißen statt Nieten und dem Einsatz neuer leichterer Werkstoffe baute man schließlich das Panzerschiff A bezeichnet auch als Westentaschenkreuzer oder pocket battleship, welches trotz einer starken Bewaffnung (sechs 28 cm Geschütze) wegen der erbrachten Gewichtsersparnis schneller lief (28,5 Knoten Höchstgeschwindigkeit) als vergleichbare Schiffe der ehemaligen Gegner.

 

Der Bau des Panzerschiffes A war innenpolitisch heftig umstritten und wurde 1928 gegen die Stimmen der Abgeordneten von SPD und KPD begonnen. Im selben Jahr wurde der SPD Abgeordnete Hermann Müller (das war der gleiche Müller, der als Außenminister 1919 den Versailler Vertrag unterzeichnet hatte) zum Reichskanzler ernannt. Gegen den Willen seiner Fraktion setzte seine Regierung das Bauprogramm fort. Dies stürzte die SPD in eine schwere Krise. Die KPD strengte daraufhin ein Volksbegehren gegen das Bauprogramm an, das jedoch an mangelnder Beteiligung scheiterte. In der Folge wurde Reichskanzler Müller gestürzt. Das war der Anfang vom Ende der Weimarer Republik. Es gab von nun an keine stabilen Parlamentsmehrheiten mehr, so dass das Kabinett Brüning sich mit Notverordnungen durchwurschteln musste.

 

Das Ende der Regierung Müller erinnert mich stark an das Ende Helmut Schmidts, der als Kanzler letztlich am Widerstand seiner eigenen Partei gegen den Doppelbeschluss der NATO scheiterte. Im Unterschied zur Weimarer folgten in der Bonner Republik jedoch viele Jahre einer stabilen Regierung Kohl.  

Im zweiten Weltkrieg und auch bei der Bundesmarine: U-Boote, Stolz der deutschen Schiffbaukunst und begehrter Exportartikel in Krisengebiete. Heute sind die schwimmenden Särge mit reichlich Hochtechnologie vollgestopft ©HT rechtes Photo

 

Die 1968 in den USA gebaute Mölders (D196) auf dem Altenteil

Gisela lässt uns deren Größe erahnen ©GK

Nach dem anstrengenden Ausflug warten auf das Abendessen ohne Vorspeise ©GK

Dafür war als "Nachspeise" der Cappuccino mit angeflanschtem Eishörnchen der Renner ©GK

 Esens

Wilhelmshaven

Bad Zwischenahn

Zurück

 

This page was last updated on 07 Mai, 2017