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Einsteins undeutsche Physik

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Cousine(Einsteins zweite Frau) und deren Tochter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Mythen und Missverständnisse

 

 

Wahr ist, dass der junge Albert am Luitpold Gymnasium in München nicht nur in Mathematik, sondern auch in den alten Sprachen zu den besten Schülern gehörte. Ebenfalls an der Kantonsschule Aarau, wo er 1896 als 17-jähriger! die Maturité erwarb, war er einer der besten Schüler, hatte aber im Französischen - das war damals die wichtigste Fremdsprache in den deutschsprachigen Kantonen der Schweiz -, weil er spät damit begonnen hatte, Schwächen.

 

Englisch hat er nie gelernt. Als Einstein schon einige Jahre in den USA gelebt hatte, äußerte sich Leopold Infeld - er veröffentlichte zusammen mit Einstein das Buch: The Evolution of Physics - über Einsteins Sprachkenntnisse: Das Englisch Einsteins ist äußerst einfach. Es besteht aus vielleicht 300 in besonderer Weise ausgesprochenen Wörtern.

 

Wenn er auch ein guter Schüler war, so war er nur ein mittelmäßiger Student am Zürcher Polytechnikum. Zusammen mit vier Freunden machte Einstein Examen, wobei er gerade noch bestand, seine serbische Freundin Mileva, die er später heiratete, aber durchfiel. So bekam er im Gegensatz zu den zwei Kollegen keine Assistentenstelle am Polytechnikum und verdingte sich - er inzwischen drei Mäuler zu stopfen - beim Berner Patentamt.

 

 

 

Albert Einstein wurde am 15. März 1879 in Ulm geboren. Um seinem Sohn die Einberufung zum Militär zu ersparen, erhielt sein Vater 1896 auf Antrag  für Albert, der damals bereits in Aarau zur Schule ging, die Entlassung aus dem württembergischen Staatsverband. Als Staatenloser erwarb Einstein dann 1901 das Schweizer Bürgerrecht. Auch nachdem er 1914 an die Preußische Akademie der Wissenschaften in Berlin berufen worden war, reiste Einstein besonders auch während der Kriegszeit 1914-18 immer mit seinem Schweizer Pass.

 

Zum Eklat kam es, als Einstein 1922 den Nobelpreis für 1921 zugesprochen bekam. Er weilte damals in Japan und konnte die Auszeichnung nicht persönlich in Empfang nehmen. Nach den Statuten der Stiftung tritt als Ersatzempfänger der Botschafter des Landes des Laureaten ein. So stritten sich plötzlich der Schweizer und der Deutsche Geschäftsträger um die Ehre, den Preis empfangen zu dürfen. Der Deutsche meinte, dass Einstein allgemein als Deutscher angesehen werde. Eine Nachfrage in Berlin ergab, dass Einstein in der Tat 1914 als Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften ohne sein Zutun die preußische und damit auch die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen hatte.

 

Das Problem der Nobelpreisverleihung wurde schließlich diplomatisch gelöst: Der Deutsche Botschafter nahm die Auszeichnung in Stockholm entgegen, brachte sie nach Berlin, übergab sie anschließend dem dortigen Schweizer Botschafter, der den Nobelpreis Einstein bei seiner Rückkehr nach Berlin aushändigte.

 

Auf dieser Japanreise hielt Einstein 1922 in Kyoto einen Vortrag in dem er sagte: Ich saß auf meinem Stuhl im Patentamt in Bern. Plötzlich hatte ich einen Einfall: Wenn sich eine Person im freien Fall befindet, wird sie ihr eigenes Gewicht nicht spüren. Mir ging ein Licht auf. Dieser einfache Gedanke beeindruckte mich nachhaltig. Die Begeisterung, die ich da empfand, trieb mich dann zur Gravitationstheorie. Diese allgemeinere Relativitätstheorie unter Einschluss der Schwerkraft und der dieser gleichwertigen beschleunigten Bewegung hatte Einstein mitten im Ersten Weltkrieg 1916 in Berlin formuliert.

 

Eine britische Expedition wies dann im Jahre 1919 bei einer Sonnenfinsternis die nach Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie vorausberechnete Ablenkung des Lichts im Schwerefeld der Sonne nach und lieferte damit einen ersten Beweis für die Theorie.  Darauf titelte die Londoner Times am 8. November des gleichen Jahres: Einstein versus Newton.

 

Nach dem Weltkrieg war es den Briten ein Alptraum, dass ein Deutscher Newton geistig besiegt hatte. So wurde in dem Artikel der Times Einstein zum Schweizer gemacht. Er selbst bemerkte damals fast prophetisch: Heute werde ich in Deutschland als deutscher Gelehrter, in England als Schweizer Jude bezeichnet. Sollte sich aber herausstellen, dass die Relativitätstheorie doch falsch ist, dann wäre ich umgekehrt für die Deutschen ein Schweizer Jude und für die Engländer ein deutscher Gelehrter.

 

Einstein war einer der ersten deutschen Wissenschaftler, der 1921 nach dem verlorenen Weltkrieg Deutschland wissenschaftlich international wieder salonfähig machte. Denn mit seinem Schweizer Pass konnte er ohne Schwierigkeiten in die USA und nach England reisen. Überall wurde er begeistert empfangen, auch wenn er seine Vorträge auf Deutsch hielt. Nur 1922 in Paris, wo er sein holperiges Französisch sprach, stieß er auf antideutsche Ressentiments.

 

 Im Jahre 1932 hatte Einstein einer Presseagentur auf die Frage nach seiner Staatsangehörigkeit zunächst mitgeteilt: Ihre Frage über meine Staatsangehörigkeit kann ich nicht beantworten, da ich mir hierüber noch keine Gedanken gemacht habe.

 

Später jedoch durch die vielen meist rassisch bedingten Anfeindungen in Deutschland zermürbt wurde er deutlich: Ich bin weder deutscher Staatsbürger, noch ist irgendetwas in mir, was man als 'jüdischen Glauben' bezeichnen kann. Aber ich freue mich, dem jüdischen Volke anzugehören, wenn ich dasselbe auch nicht für das auserwählte halte.

 

Gern kleidete Einstein seine Bemerkungen in Verse:

 

Schau ich mir die Juden an,
hab' ich wenig Freude dran.
Fallen mir die andern ein,
bin ich froh, ein Jud zu sein.

 

Schließlich zog Einstein aus dem Antisemitismus in Deutschland die Konsequenzen und kehrte 1933 von einer USA-Reise zwar nach Europa, aber nicht mehr nach Berlin zurück. Er wohnte dann einige Zeit in Belgien von Leibwächtern umgeben unter dem Schutz der belgischen Königs. Nach der Machtergreifung 1933 kam er dem Ausschluss aus der Preußischen Akademie der Wissenschaften mit seinem Austritt zuvor und gab anschließend auch seinen deutschen Pass bei der Botschaft in Brüssel ab.

 

Im Herbst des gleichen Jahres reiste er endgültig in die Vereinigten Staaten. Im Jahre 1934 wurde ihm die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt und sein Eigentum in Deutschland beschlagnahmt.  Schon 1935 hat Einstein die amerikanische Staatsbürgerschaft beantragt, wurde aber erst 1940 vereidigt, nachdem seine Englischkenntnisse als fair to good beurteilt worden waren.

 

Nach dem Krieg ging Einsteins Ablehnung Deutschlands soweit, dass er dort sogar Nachdrucke seiner früheren Arbeiten untersagte: Nach dem Massenmord der Deutschen an meinen jüdischen Brüdern will ich es nicht, dass noch Publikationen von mir in Deutschland herauskommen.

 

 

 

Viele Anekdoten stempeln Einstein zu einem zerstreuten Professor. Dabei war Einstein neben seiner Physik besonders an Musik, Frauen und Politik interessiert. Er war ein passabler Geiger, ein ausgesprochener Macho und ein glühender Pazifist.

 

Was seine zwei Ehen und die ihm angedichteten Seitensprüngen betrifft, so hielt er es mit dem Physiker und Aphorismenschreiber Georg Christoph Lichtenberg, der Ende des 18. Jahrhunderts das Gesetz über die Anziehung gleichnamiger und die Abstoßung ungleichnamiger Ladungen auf die Ehe verallgemeinert hatte: Personen, die vorhero als ungleichnamig sich sehr stark anziehen, stoßen einander heftig ab, sobald sie gleichnamig geworden sind. Einstein selbst meinte dazu: Die Ehe ist der erfolglose Versuch, einen Zufall zu etwas Dauerhaften zu machen.

 

Die Begeisterung beim Ausbruch des ersten Weltkriegs, die er in Berlin erlebte, kommentierte er: Die Leute gebärden sich, als ob ihnen das Großhirn amputiert worden wäre.

 

Damals war er froh um seinen Schweizer Pass: Die schlimmste Ausgeburt des Herdenwesens ist das mir verhaßte Militär. Diesen Schandfleck der Zivilisation sollte man so schnell wie möglich zum Verschwinden bringen. Heldentum und Kommando, sinnlose Gewalttat und leidige Vaterländerei, wie glühend hasse ich sie, wie gemein und verächtlich erscheint mir der Krieg; ich möchte mich lieber in Stücke schlagen lassen, als mich an einem so elenden Tun beteiligen.

 

Damals gründete er mit neun anderen Kriegsgegnern - unter anderem dem späteren Berliner Oberbürgermeister Ernst Reuter in Berlin - den pazifistischen Bund Neues Vaterland, der allerdings wenig ausrichteten konnte. Auch später, als Einstein berühmt war, setzte er sich immer wieder für Frieden und Verständigung ein. Er sah im Nationalismus eine Kinderkrankheit. Die Masern der menschlichen Rasse.

 

Strenggläubige Pazifisten haben Einstein übel genommen, dass er die zwei Briefe an Präsident Roosevelt unterzeichnet hatte, die zum Manhattan-Projekt führten. Den Bau der amerikanische Atombombe hat er wie folgt kommentiert: Ich war mir der furchtbaren Gefahr wohl bewusst, die das Gelingen dieses Unternehmens für die Menschheit bedeutete. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Deutschen am selben Problem mit Aussicht auf Erfolg arbeiten dürften, hat mich zu diesem Schritt gezwungen. Es blieb mir nichts anderes übrig, obwohl ich stets ein überzeugter Pazifist gewesen bin. Töten im Krieg ist nach meiner Auffassung um nichts besser als gewöhnlicher Mord. Und er prophezeit: Ich weiß nicht, wie der dritte Weltkrieg geführt werden wird, wohl aber, wie im vierten gekämpft wird: mit Stöcken und Steinen.

 

 

 

Es war zu einer Zeit, als an den Universitäten Lehrstühle für theoretische Physik noch rar waren, beim Nobelkomitee üblich, naturwissenschaftliche Preise nur für experimentelle oder eindeutig bewiesene theoretische Arbeiten zu vergeben. Deshalb wurde Einstein für seine allgemeinen Verdienste um die theoretische Physik, aber speziell für seine Arbeit zum photoelektrischen Effekt ausgezeichnet. Damit unterstrich das Nobelkomitee Einsteins besondere Bedeutung für die Entwicklung der Quantentheorie.

 

This page was last updated on 28 Februar, 2013