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Wilhelm Tell und der amerikanische FreiheitskampfEin Beitrag zum Schillerjahr
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Grundbesitz als Zeichen eines freien Bürgers
Schiller sah bekanntlich das Theater als moralische Anstalt an. Über seinen Don Carlos schreibt er: Er dient der Verbreitung einer reineren, freundlicheren Menschlichkeit, der höchstmöglichen individuellen Freiheit innerhalb des Staates größter Blüte. Diese Feststellung gilt gleichermaßen für den Wilhelm Tell. Suchen wir also in dem Stück nach den republikanischen Spuren von: Tugendhaftigkeit, Grundbesitz und Selbstschutz.
Zunächst begegnen uns im Wilhelm Tell lauter Gutmenschen. Selbst dem jungen Rudenz, Neffe und Erbe des greisen Freiherrn von Attighausen, den es nur aus Liebeverblendung zu Fräulein Bertha nach Altdorf in die Zwingburg des habsburgischen Landvogts zieht, werden später im Stück durch das Bekenntnis der Nichtschweizerin Bertha zur Schweizer Freiheit die Augen geöffnet. Doch zunächst diese Unterhaltung zwischen Attighausen und Rudenz aus dem 2. Aufzug von Wilhelm Tell. Besonders in Bezug auf den Grundbesitz sagt der Greis zum verliebten Neffen, der zum Sitz der Macht nach Altdorf strebt:
ATTINGHAUSEN: - Geh hin, verkaufe deine freie Seele, Nimm Land zu Lehen, werd ein Fürstenknecht, Da du ein Selbstherr sein kannst und ein Fürst Auf deinem eignen Erb und freien Boden. Ach Uly! Uly! Bleibe bei den Deinen! Geh nicht nach Altorf - O, verlaß sie nicht, Die heilge Sache deines Vaterlands!
RUDENZ verteidigt sich: Vergebens widerstreben wir dem König, Die Welt gehöret ihm. Woll’n wir allein Uns eigensinnig steifen und verstocken, Die Länderkette ihm zu unterbrechen, Die er gewaltig rings um uns gezogen? Sein sind die Märkte, die Gerichte, sein Die Kaufmannsstraßen, und das Saumroß selbst, Das auf dem Gotthard ziehet, muß ihm zollen. Von seinen Ländern wie mit einem Netz Sind wir umgarnet rings und eingeschlossen.
Sehen wir hier den tieferen Grund, warum sich besonders die Innerschweiz mit Europa so schwer tut?
Zum eigenen Grundbesitz noch folgendes Gespräch STAUFFACHERs mit seiner Frau GERTRUD aus dem ersten Aufzug:
STAUFFACHER: So ists, das ist des Gesslers Groll auf mich.
GERTRUD: Er ist dir neidisch, weil du glücklich wohnst, Ein freier Mann auf deinem eignen Erb, - Denn er hat keins. Vom Kaiser selbst und Reich Trägst du dies Haus zu Lehn, du darfst es zeigen, So gut der Reichsfürst seine Länder zeigt, Denn über dir erkennst du keinen Herrn Als nur den Höchsten in der Christenheit - Er (Gessler) ist ein jüngrer Sohn nur seines Hauses, Nichts nennt er sein als seinen Rittermantel, Drum sieht er jedes Biedermannes Glück Mit scheelen Augen giftger Mißgunst an, Dir hat er längst den Untergang geschworen - Noch stehst du unversehrt - Willst du erwarten, Bis er die böse Lust an dir gebüßt? Der kluge Mann baut vor.
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This page was last updated on 09 December, 2008