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Wilhelm Tell und der amerikanische Freiheitskampf

Ein Beitrag zum Schillerjahr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weiter

 

Alle Bürger ohne Unterschied sind aufgefordert, die Freiheit zu verteidigen

 

Im Gegensatz zur französischen Revolution, in der der dritte Stand mit dem ersten und zweiten schonungslos abrechnete, werden bei Schiller zusätzlich zu den freien Bürgern der Adel und die Geistlichkeit - wenn auch ein wenig mühsam - in den Aufstand gegen die habsburgischen Landvögte mit eingebunden. So im 4. Aufzug, 2. Szene der adelige Attinghausen in seiner Sterbeszene:

 

STAUFFACHER:

- Edler Freiherr!
Erhebet Euren Geist! Wir sind nicht ganz
Verlassen, sind nicht rettungslos verloren.

ATTINGHAUSEN:

Wer soll euch retten?

WALTER FÜRST:

Wir uns selbst. Vernehmt!
Es haben die drei Lande sich das Wort
Gegeben, die Tyrannen zu verjagen.
Geschlossen ist der Bund, ein heilger Schwur
Verbindet uns.

ATTINGHAUSEN:

Und sind die Edeln dieses Bunds teilhaftig?

STAUFFACHER:

Wir harren ihres Beistands, wenn es gilt,
Jetzt aber hat der Landmann nur geschworen.

ATTINGHAUSEN richtet sich langsam in die Höhe, mit großem Erstaunen:

Hat sich der Landmann solcher Tat verwogen,
Aus eignem Mittel, ohne Hülf der Edeln,
Hat er der eignen Kraft so viel vertraut -
Ja, dann bedarf es unserer nicht mehr.

 

Wenig später hat der Greis dann folgende Vision:

Der Adel steigt von seinen alten Burgen
Und schwört den Städten seinen Bürgereid,
Im Üchtland schon, im Thurgau hat’s begonnen,
Die edle Bern erhebt ihr herrschend Haupt,
Freiburg ist eine sichre Burg der Freien,
Die rege Zürich waffnet ihre Zünfte
Zum kriegerischen Heer - es bricht die Macht
Der Könige sich an ihren ewgen Wällen -

 

MELCHTHAL zu dem bekehrten RUDENZ:

Hier ist meine Hand!
Des Bauern Handschlag, edler Herr, ist auch
Ein Manneswort! Was ist der Ritter ohne uns?
Und unser Stand ist älter als der Eure.

RUDENZ:

Ich ehr ihn, und mein Schwert soll ihn beschützen.

MELCHTHAL:.

Der Arm, Herr Freiherr, der die harte Erde
Sich unterwirft und ihren Schoß befruchtet,
Kann auch des Mannes Brust beschützen.

RUDENZ:

Ihr sollt meine Brust, ich will die eure schützen,
So sind wir einer durch den andern stark.
Ein Raub noch ist der fremden Tyrannei?
Wenn erst der Boden rein ist von dem Feind,
Dann wollen wir’s in Frieden schon vergleichen.

 

Auch die Geistlichkeit wird in den Freiheitskampf eingebunden etwa in der Szene des Rütlischwurs im 2. Aufzug, 2. Szene:

 

MELCHTHAL zeigt auf zwei Landleute:

Die wohnen hinterm Wald, sind Klosterleute
Vom Engelberg - Ihr werdet sie drum nicht
Verachten, weil sie eigne Leute sind,
Und nicht wie wir frei sitzen auf dem Erbe -
Sie lieben 's Land, sind sonst auch wohl berufen.

STAUFFACHER zu den beiden:

Gebt mir die Hand. Es preise sich, wer keinem
Mit seinem Leibe pflichtig ist auf Erden,
Doch Redlichkeit gedeiht in jedem Stande.

 

Später dann sagt AUF DER MAUER:

Seht! Steigt nicht selbst der fromme Diener Gottes,
Der würdge Pfarrer mit herab? Nicht scheut er
Des Weges Mühen und das Graun der Nacht,
Ein treuer Hirte für das Volk zu sorgen.

BAUMGARTEN:

Der Sigrist folgt ihm und Herr Walter Fürst,
Doch nicht den Tell erblick ich in der Menge.

 

Man tut sich zunächst schwer mit dem endgültigen Bruch mit der Obrigkeit, bis STAUFFACHER die erlösenden Worte findet:

 

Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht, Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden,
unerträglich wird die Last - greift er
Hinauf getrosten Mutes in den Himmel
Und holt herunter seine ewgen Rechte,
Die droben hangen unveräußerlich.
Und unzerbrechlich, wie die Sterne selbst -
Der alte Urstand der Natur kehrt wieder,
Wo Mensch dem Menschen gegenüber steht -
Zum letzten Mittel, wenn kein andres mehr
Verfangen will, ist ihm das Schwert gegeben -
Der Güter höchstes dürfen wir verteid'gen
Gegen Gewalt - Wir stehn für unser Land,
Wir stehn für unsre Weiber, unsre Kinder!

 

Das liest sich in der Declaration of Independence dann so:

 

(But) when a long train of abuses and usurpations, pursuing invariably the same Object evinces a design to reduce them under absolute Despotism, it is their right, it is their duty, to throw off such Government, and to provide new Guards for their future security.

und weiter:

 

We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.

 

In der Unabhängigkeitserklärung folgen dann viele Anklagen gegen König George III. Davon sei nur diese eine ausgewählt:

 

He has endeavoured to prevent the population of these States; for that purpose obstructing the Laws for Naturalization of Foreigners; refusing to pass others to encourage their migrations hither, and raising the conditions of new Appropriations of Lands.

 

Doch zurück zu Wilhelm Tell und dem berühmten Rütlischwur:

 

RÖSSELMANN:

Laßt uns den Eid des neuen Bundes schwören.
- Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern,
In keiner Not uns trennen und Gefahr.
- Wir wollen frei sein, wie die Väter waren,
Eher den Tod, als in der Knechtschaft leben.
- Wir wollen trauen auf den höchsten Gott
Und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.

 

Das liest sich in der Declaration of Independence dann so:

 

We, therefore, the Representatives of the united States of America, in General Congress, Assembled, appealing to the Supreme Judge of the world for the rectitude of our intentions, do, in the Name, and by the Authority of the good People of these Colonies, solemnly publish and declare, That these United Colonies are, and of Right ought to be Free and Independent States. 

 

This page was last updated on 19 Juli, 2014