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Radeltour 2004

 

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Reklame vor dem Dom zu Magdeburg

 

Liebe Radeltourfreunde,

 

An dieser Stelle möchte ich Wulf noch einmal ein großes Kompliment machen. Bei unserer Radeltour 2004, die uns im Mai von Magdeburg bis Dresden führte, klappte wieder einmal alles hervorragend. Selbst Wulfs Timing der einzelnen Etappen war perfekt, ließ uns jeweils mehr Zeit an und in kulturhistorisch so bedeutenden Stätten und Städten wie Wittenberg und Torgau verglichen mit Orten wie Barby oder Strehla verbringen. Wulf hat uns erleuchtet und elektrisiert, wir radelten von einem Highlight zum nächsten, und abends hatte er als Bewunderer nur pflegeleichte KMler, die zu seinen Füßen seinen Vorlesungen lauschten. Ihr findet die Superhighlights jeweils unter den Namen der besuchten Städte oben auf dieser Seite.

 

 

Magdeburgum renatum

 

Wie auch im letzten Jahr reiste ich aus Freiburg kommend bereits am Vortag an, hatte also ausreichend Zeit, mich mit der "zerstörerischen" Geschichte Magdeburgs zu beschäftigen. Wer gleich zur Bildergalerie gehen möchte klicke bitte oben auf Magdeburg

Die Stadt wurde im Laufe ihrer Geschichte mehrmals zerstört, so auch im letzten Weltkrieg, doch die schlimmsten Zerstörungen erlitt Magdeburg in den Religionskriegen nach der Reformation. Darüber weiß Matthaeus Merian 1653 in seiner Topographie von Niedersachsen zu berichten: Im Jahr 1524. hielte Doctor Luther sein erste Predigt zu Magdeburg in der Pfarrkirchen zu S. Johann vnd gab den Magdeburgern zu einem Pfarrer Nicolaum von Amsdorff ...

Der offizielle Übergang der Stadt zur Reformation erfolgte aber erst 1547: Im Anfang deß 1547. Jahrs entsagte der Rath dem [Dom] Capitel vnd jehren mitverwandten Clericis, vnd ließ den Absagbrieff an dem Thumb vnd den anderen Kirchen offentlichen anschlagen ...

Luthers Denkmal vor der Johanniskirche:

 Gottes Wort mit uns in Ewigkeit

Mit diesem "Brief" ging die Konfiszierung des Kirchenbesitzes durch den Rat der Stadt einher und das blieb nicht ohne Folgen: Aber wieder auff die Statt zu kommen, so ist dieselbe in dem gemelten 1547. Jahr den 27. Julij wegen obgedachter jehrer Verhandlung vnd daß Sie auch mit dem Churfürsten Johann Friedrichen zu Sachsen im Bunde gewesen, in die Acht erklärt worden: Vnd weil Sie auch das Interim* nicht annehmen wolte, so ward Anno 49. solche Acht wiederholet vnd die OberAcht darzu gethan.

 

Hertzog Georg von Mecklenburg machte darauff das folgende 1550. Jahr den Anfang zur Umbsinglung ... Den 29. Septembris hat der Newe Churfürst Hertzog Moritz zu Sachsen*, als deme die Execution der Acht vom Keyser vnd dem Reich anbefohlen war, die Statt durch einen Trompetter aufffordern lassen ... vnd gieng die Belagerung jmmer fort, also daß Sie über ein gantzes Jahr gewähret hat. Dann man erst zu anfang deß Novembris deß 1551. Jahrs im Frieden zu tractiren angefangen ... Den 17. Novembris dieses 51. Jahrs ist das Lager vor der Statt auffgebrochen, vnd seynd die Magdeburger bey jhrer Religion Privilegien vnd Gerechtigkeit gelassen worden. In währender Belagerung seyn von der Statt Volk umbkommen 273, von denen herauss, wie man erachtet, auff die vier tausent. Vber achtzehen tausent Schüß auß groben Stücken seyend in die Statt gangen.

* Zum Interim und zur Belagerung Magdeburgs durch Moritz von Sachsen diesen Hinweis anklicken

 

Doch blieb weitere 80 Jahre Magdeburgum in flore bis zum Schicksalsjahr der Stadt: Anno 1631 ist Magdeburg mit gantzem Ernst von dem Keyserlich: vnd Chur=Bayrischen Generaln Herrn Johann Tscherclaes Graffen von Tilly belagert vnd den 20. May mit Sturm erobert worden.

 

 

Gordon A. Craig schreibt über die Vorgeschichte und die Einnahme Magdeburgs durch die katholische Liga in seinem Buch:

Über die Deutschen (Verlag C. H. Beck, München 1982):

 

Man bedenke, was mit der blühenden Stadt Magdeburg im dreizehnten Kriegsjahr geschah. Als die Armeen des habsburgischen Kaisers Ferdinand IL, nachdem sie den Protestantismus in Böhmen ausgerottet hatten, nach Norden stießen, erhielten die protestantischen Kräfte willkommene neue Unterstützung durch Gustav Adolf, den jungen König von Schweden, der im Juli 1630 mit sechzehn Schwadronen schwedischer Reiterei, einer starken Abteilung Artillerie und neunzig Kompanien Infanterie, zumeist schottische und deutsche Söldner, auf Usedom in Pommern landete und nach Süden zog. Um zu verhindern, dass Magdeburg, das wichtigste Bollwerk an der Elbe, von den Schweden eingenommen werden konnte, und auch um seine eigenen, durch blutige, aber nutzlose Kämpfe gegen Gustav Adolfs Verbindungslinien erschöpften Truppen neu zu versorgen, schloss der kaiserliche Feldherr Tilly die Stadt ein und besetzte im April 1631 ihre äußeren Befestigungsmauern. Obwohl er wegen seiner makellosen persönlichen Lebensführung als der Mönch in Waffen bekannt war, war Tilly kein religiöser Fanatiker und wollte kein unnötiges Blutvergießen. Er forderte deshalb die Bewohner der Stadt auf, sich ihrer Treuepflicht zum Kaiser zu erinnern und ihre Tore zu öffnen, und er gab ihnen das Versprechen, ihre Freiheit und ihr Eigentum zu achten. Der Magistrat, der wusste, dass die Pulvervorräte praktisch erschöpft waren und die rasch aufgeworfenen, noch übrig gebliebenen Befestigungsanlagen einem Angriff nicht mehr lange standhalten konnten, war zur Übergabe bereit. Aber alle Anstalten, sich zu ergeben, scheiterten an der Beredsamkeit zweier einflussreicher Männer: des Pastors der Ulrichskirche, ein fanatischer Lutheraner namens Gilbert de Spaignart, der erklärte, es sei in den Augen des Herrn schändlich, sich den Papisten zu unterwerfen, und an dem Veto des Stadtkommandanten, des Hessen Dietrich von Falkenberg, der versicherte, der schwedische König befinde sich auf dem Weg nach Magdeburg und werde die Stadt entsetzen.

 

Diese Verzögerung war reiner Selbstmord. Tillys Truppenführer, allen voran der ungestüme Gottfried Heinrich Graf von Pappenheim, fürchteten, sie könnten zwischen den Mauern der Stadt und einer schwedischen Armee in die Zange geraten und forderten von ihrem Befehlshaber die Erstürmung Magdeburgs. Die zunehmende Aufsässigkeit ihrer Soldaten, die der Strenge des Lagerlebens überdrüssig waren und sich nach den Bequemlichkeiten der Stadt sehnten, lieferte diesem Drängen ein zusätzliches Argument. Schweren Herzens gab Tilly den Befehl zum Angriff. Zwischen sechs und sieben Uhr am Morgen des 19. Mai drangen die Pappenheimer, noch ehe die Verteidiger sich recht zur Wehr setzen konnten, von Norden her ein, und durch die äußeren Straßen der Stadt strömten Landsknechte, getrieben von dem Verlangen zu saufen, zu plündern und zu vergewaltigen. Bald stellte sich heraus, dass die Offiziere machtlos waren gegen den Blutdurst und die Zerstörungswut ihrer Soldaten.

 

Merian berichtet noch eindrücklicher über das Wüten der Soldateska: Wie nach völliger Eroberung man die Thore von Magdeburg eröffnet vnd die Reuter vnd die Crabaten mit Hauffen hinein gebrochen, da ist das plündern, rauben, morden, Weiber vnd Jungfrawen schänden allererst recht angangen vnd so grausam erschröcklich vnd tyrannisch verfahren worden, daß die Feder solches zu beschreiben fast eine Schew trägt. Es wird berichtet, daß Sie in S. Catharinen Kirche 53. mehrentheils Weibspersonen gantz vnbarmhertziger weise die Köpffe abgehawen, einen Prediger in S. Johannis Kirchen vorm Altar niedergemachet; sonst in der Statt auch etliche in der Geburt arbeitende Weiber hingerichtet, ein kleines Kind, so Sie auff der Gassen ligend vnd schreyend gefunden, jhrer zween jeder bey einem Beinlein erwischet vnd mitten von einander gerissen; Die Weibspersonen vnd Jungfrawen, wann Sie in den Häusern vnd auff den Gassen offentlich jhren Muthwillen mit Ihnen vollbracht, hernacher ins Fewer geworfen; darumb sich auch eine Jungfraw vom Adel in einen Brunnen, Andere ins Fewer selbsten gestürtzt, nur daß Sie bey Ehren bleiben vnd also ehrlich sterben möchten. Die Kinder seynd neben jhren erschlagenen vnd auff den Gassen im Blut ligenden Eltern gesessen vnd jmmer kläglich geruffen vnd geschryen: Ach Vatter! Ach Mutter! auch etliche Säuglinge bey jhren todten Müttern gelegen vnd an derer Brüsten gesogen; welche bald hernach in gesampt dem Fewer zu theil worden etc. Tilly hat es die Magdeburger Hochzeit genant.

 

Während des Angriffs hatte Pappenheim eines der Stadttore in Brand stecken lassen, und durch Funkenflug, den ein starker Wind begünstigte, brach an vielen Stellen Feuer aus, das sich im Balkenwerk der Häuser rasch ausbreitete, Einheimische wie Eindringlinge erfasste und ganz Magdeburg in Schutt und Asche legte.

 

Bei Merian liest sich diese Geschichte so: Es haben die Keyserlichen den Bürgern zum Schrecken das Fewer an vnterschiedlichen Orten eingelegt; wiewol man sagt, daß die Bürger zun theil selbsten daran schuld gehabt haben. Es seyn dardurch sechs schöne grosse Pfarrkirchen mit jhren Thürnen deren theils mit Schiffer theils mit Bley vnd die zu S. Johann von lauterem Kupffer gedeckt gewesen beneben allen Stifften vnd Closter=Kirchen wie auch die Statt selbsten gantz in die Aschen gelegt worden ... Die anderen Kirchen so darauff gegangen hiessen zu S. Michael in der Sudenburg, S. Gangolff, S. Niclas, S. Sebstian, S. Anna, zum H. Geist, S. Vlrich, S. Johann, zun Barfüssern, S. Catharina, S. Maria Magdalena, S. Peter, S. Jacob, S. Augustin, S. Lorentz vnd S. Peter vnd Paul, welche beede letzte in der Newstatt gewesen.

 

Von den dreißigtausend Einwohnern der Stadt überlebten nur fünftausend, und von diesen wurden viele beim Rückzug von Tillys Armee als Konkubinen und Dienstboten mitschleppt.

 

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